Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen im Halbmarathon in 1:35:49 h
   
  Achim-Aretz
  ... Die Weltmeisterschaft
 
Ein Hoch auf das Zelten:

Am Sonntag, dem 8. August 2010 habe ich über 10km einen neuen Weltrekord im Rückwärtslaufen aufgestellt. Ich unterbot die 20 Jahre währende Rekordzeit des Franzosen Yvel Pol um 34 Sekunden auf 41:26,13 Minuten.

Während die allermeisten der aus dem Ausland angereisten Retro-Sportfreunde sich die Chance nicht entnehmen ließen, im Hotel mit Sichtweite zum Stadion zu nächtigen, zog die 6köpfige Retrocrew aus Münsteraner, Essener und Halterner Läufern einen etwa 10 km entfernten Campingplatz vor.

Von dort aus fuhren wir am ziemlich verregneten Samstagmittag zur Eröffnungszeremonie der 3. Welmeisterschaft im Rückwärtslaufen und waren großer Eduerfrov. Da der 10.000m-Lauf erst am Sonntag stattfinden sollte, schaute ich bei den Disziplinen (100m, 200m, 800m und 5000m) nur zu. Lediglich bei der 4x400 Meter-Staffel ging ich mit 3 guten Freunden an den Start. Wir ließen 4 italienische Staffeln hinter uns und mussten uns nur von der Staffel "Deutschland 1" geschlagen geben. Die Silbermedaille feierten wir mit einer rückwärts gelaufenen Ehrenrunde.

Auf dem Weg zurück zum Campingplatz stieg für mich die Nervosität. Da ich am nächsten Tag früh aufstehen musste, ging ich früh zu Zelt. Doch das war leider völlig nass, weil es rein geregnet hatte. Mitten in der Nacht entschied ich mich dazu, das Zelt zu wechseln. Vielen Dank noch einmal an den jenigen, der dafür im Auto schlafen musste. Am nächsten Morgen war ich deswegen fit und bereit für den Rekord.

Im Stadion angekommen, lief ich mich einige Runden rückwärts ein. Zum Test lief ich 100 m im Wettkampftempo rückwärts, also in 25 Sekunden. Währenddessen ließ der Stadionsprecher verlauten, dass ich einen Weltrekordversuch in diesem Lauf anstrebe. Es waren 15 Läufer aus aller Welt angemeldet.  Und dann fiel auch schon der Startschuss. Die ersten 200 m legte ich in 45 s zurück. Obwohl ich also 5 s zu schnell war, lag ich nur an zweiter Stelle. Vor mir bzw. hinter mir lief der Ire Garret Doherty mit einem Affenzahn davon. Nach einem Kilometer hatte ich eine Zeit von 4:05 min und lag einige Dutzend Meter hinter ihm.

Selbst nach 2 km lag ich noch an Platz zwei. Ich lief völlig gleichmäßig und ließ mich von ihm nicht aus der Ruhe bringen. Der Stadionsprecher und ein Freund riefen mir alle 200 m die Zwischenzeiten zu, so dass ich im ganzen Rennen niemals auf die Uhr gucken musste. Nach 2,5 km setzte ich mich schließlich an die erste Stelle. Bis dahin hatte das Rennen für mich keine Anstrengung bedeutet. Doch konnte ich das Tempo bis zum Schluss durchhalten oder würde ich irgendwann einbrechen?  Nach etwa 4 km wurde das Rennen dann ein bisschen anstregender. Um nicht daran denken zu müssen, dass ich noch 15 Runden vor mir hatte, dachte ich nur noch von km zu km.

Nach 5 km war ich mit einer Zeit von 20:45 min 15 s unter Soll. Ich fühlte mich noch gut, aber viel schneller hätte ich auch nicht laufen können. Langsam aber sicher wurden die Beine schwerer. Es gelang mir nicht mehr in jeder Runde, den Fotographen und den Fans zuzulächeln. Plötzlich sah ich den Iren wieder, jedoch nur deshalb, weil ich ihn überrundet hatte. Das sollte mir bis zum Ende noch 2 Mal gelingen. Obwohl das Rennen immer härter wurde, konnte ich das Tempo konstant bei 99 bis 101 s pro Runde halten.

Nach 7 km und 17,5 gelaufenen Runden dachte ich nur noch von Runde zu Runde. Ich hatte mir zwar mit der Zeit ein ordentliches Polster an Sekunden herausgelaufen, jedoch konnte ein schlechter km wieder alles zunichte machen.  Nach 8 km begann der der richtige Kampf. Noch 5 Runden dachte ich mir. Die Zuschauer und Retrorunner aus aller Welt feuerten mich an und machten Mut. Nach 9 km dann wusste ich, dass ich es fast geschafft hatte. Nun durfte ich mir einen Kilometerschnitt von 4:35 min leisten. Mit der Zuversicht und der Vorfreude auf den Zieleinlauf holte ich noch einmal alles aus mir heraus und gab Gas. Auf der Zielgerade bekam ich die Deutschlandfahne in die Hand gedrückt. Unter tosendem Lärm und einem strahlend blauen Himmel lief ich nach 41:26,13 min überglücklich über die Ziellinie!! Das bedeutete einen Kilometerschnitt von 4:08 min.

Ein herzlichen Dank an meine Freunde, die mich lautstark unterstützt haben! Ohne euch hätte ich es nicht geschafft. Auf der Anzeigetafel erschien in Großbuchstaben "New World Record" und die anschließende Siegerehrung mit Nationalhymne war auch ein schöner Moment.

Links:

http://www.youtube.com/watch?v=XOR--pDBOvs    

http://www.leichtathletik.de/index.php?NavID=1&SiteID=28&NewsID=29201&IsArchive=1

http://achim-achilles.de/laufthemen/wettkaempfe-laufen-marathon-halbmarathon-triathlon/15390-rueckwaertslaeufer-achim-aretz-mit-neuem-rekord-auf-10000-metern.html

http://www.wdr.de/themen/sport/leichtathletik/laufen/retrorunning/index.jhtml?rubrikenstyle=sport

http://echo-muenster.de/node/24703

www.retrorunning.org

http://www.team-klinikum-nuernberg.de/v03/pub/index.html?navID=de1&poolID=&detailID=298&page=1&suchtxt=&only=68&IDS=BMZBXXYO

http://www.kapfenberg.at/system/web/news.aspx?bezirkonr=0&detailonr=221331368&menuonr=218707521

Hier einige Fotos:

Die letzten Meter...



Die allerletzten Meter...


Der allerletzte Meter!


Gruppenfoto der WM-Teilnehmer!


ORF-Journalisten mit Gregor Schlüter und mir. Er lief die
5.000 m in einer fantastischen Zeit von 24:59 und wurde WM-4.!


ORF-Journalisten mit Backmantony Junior und mir.


Eine richtig herumgehaltene Deutschlandfahne und ein richig
herum gelaufener Läufer.


Siegerehrung mit (v.l.) dem Iren Garret Doherty, mir und
dem Polen


Weltmeister!!



Spanische und deutsche Retroathleten




Der Weltrekordversuch im Rückwärtslaufen über 10.000m (geschrieben Anfang August 2010):

Am kommenden Wochenende finden die 3. Weltmeisterschaften im Rückwärtslaufen statt. Austragungsort ist Kapfenberg in Österreich.

Bislang haben sich 110 Läufer aus 14 Nationen für 8 Disziplinen angemeldet: 100m, 200m, 400m, 800m, 1.500m, 3.000m, 5.000m und 100.000m, nein Scherz 10.000m.;)
Roland Wegner, Weltrekordhalter über 100m (13,6s) und 200m (31,56s) wird genauso an den Start gehen wie Thomas Dold. Er hat in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge den Empire State Building Treppenlauf in New York gewonnen und hält die Weltrekorde rückwärts über 400m (1:09), 800m (2:31), 1000m (3:20), 1500m (5:01), 2000m (7:13) und 3000m (11:19). Backmantony aus Taiwan wird da sein, der schon an über 190 Rückwärtswettkämpfen teilgenommen hat und letztes Jahr über 100 km rückwärts einen Fabelweltrekord in 13:20 aufgestellt hat. Der beste amerikanische Retrorunner ist Brian Godsey. Er hat sich auch auf den langen Weg nach Kapfenberg gemacht und ist Weltrekordhalter über 5000 m in 19:31!! 

Und dann ist da noch meine Wenigkeit, die über 10.000 an den Start gehen wird. Ziel ist die Unterbietung der 20 Jahre alten Weltrekordzeit des Franzosen Yves Pol von 42:00. Mit ihm würde ich gerne mal ein Bierchen oder meinetwegen auch einen Rotwein trinken gehen, aber trotz Internets ist es mir bislang nicht gelungen, Kontakt zu ihm herzustellen. Ihm habe ich bereits den Halbmarathonrekord weggeschnappt, deswegen ist das Kontaktinteresse vielleicht auch einseitig.

Ich habe mich 2 Monate mehr oder weniger intensiv auf den Lauf vorbereitet. Pro Woche ging ich 2-3 mal rückwärts laufen. Eine lockere Einheit von etwa 10km im 5er bis 6er Schnitt war immer dabei. Darüber hinaus machte ich manchmal noch mehr lockere Einheiten, Intervalltraining oder einen schnelleren Tempolauf. Ende Juni, zwei Tage vor dem Spiel Deutschland gegen Ghana, wagte ich mich zum ersten Mal auf den Platz. 6x1000m in 3:44 bis 3:55. Eine schnelle Aaseerunde (5,85 km) in 25:35 Minuten war auch mal dabei. In der letzten Woche machte ich dann wieder viel Tempotraining. 9,7km in 42:30 und 2 Mal Intervalltraining. Wieder 6x 1000m in 3:43 bis 3:53 und 3x 2000m in jeweils 8:00. Jetzt fühle ich mich bereit für den Weltrekordversuch.
Übernachten wird die 6köpfige Münsteraner und Essener Crew in Österreich übrigens auf dem Campingplatz. Das spezielle Rückwärtsläufangebot des Hotels, das sich direkt neben dem Stadion befindet, war uns zu teuer. Zelten ist allerdings ein gutes Omen! In Bremerhaven zelteten Gregor Schlüter und ich vor 2 Wochen auch schon, und zwar wild, und was bei dem Lauf herauskam, war mehr, als ich erwartet hatte.


Links:
http://www.westfaelische-nachrichten.de/aktuelles/muensterland/1368376_Verkehrte_Welt.html