Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen im Halbmarathon in 1:35:49 h
   
  Achim-Aretz
  ... Essen - Halbmarathon
 
Der August-Blumensaat-Lauf in Essen am 28. November 2009: 
  Wie sah das Training aus, wie war der Wettkampf, wie die Reaktionen?
Hier findet ihr Antworten:

Ziel:
In welcher Laufdisziplin ist es für einen Europäer möglich, einen Weltrekord aufzustellen? Nur im Rückwärtslaufen! Eines Tages schaute ich mir deshalb die Weltrekorde im Rückwärtslaufen an:
http://www.recordholders.org/de/list/backwards-running.html
Das sind schon Wahnsinnszeiten, dachte ich mir. Wie sollte ich da jemals drankommen? Eine Zeit schien mir etwas schlechter zu sein, als die anderen - die im Halbmarathon mit einer Zeit von 1:42:00 Stunden, aufgestellt von dem Franzosen Yves Pol im Jahre 1987. Das ist ein Schnitt von 4:50 Minuten pro Kilometer. Das wird hart, total hart, das Training aufwendig - ich versuchs!!!
Direkt kam mir der geeignete Wettkampf in den Sinn. Warum nicht im Rahmen des August-Blumensaat-Laufs in Essen starten, wo ich aufgewachsen bin, am Baldeneysee, den ich wie meine Westentasche kenne? Ein Heimspiel also!! Der Strecke ist asphaltiert, flach, kurvenarm und besteht aus einer 5,25km langen Pendelstrecke -  perfekt zum Rückwärtslaufen!

Training:
Das Rückwärtslauftraining begann 6 Wochen vor dem Weltrekordversuch. Zu Beginn meines sechswöchigen Trainings in Münster trainierte ich nur Strecken im einstelligen Kilometerbereich, weil das schon anstrengend genug war. Nach etwa einer Woche machte ich zum ersten Mal Intervalltraining. 6x1000m in 4:04 bis 4:15, ein erstes Erfolgserlebnis. Ein zweites und letztes Intervalltraining absolvierte ich eine Woche später. 3x2000m in 8:55 bis 9:01. Von Woche zu Woche steigerte ich den Trainingsumfang, so dass ich in den letzten beiden Wochen 40 bis 50 km rückwärts lief. Nebenbei lief ich etwa 20 km vorwärts.
Am Anfang hatte ich Hemmungen, rückwärts zu laufen. Einige Leute schüttelten nur den Kopf, andere applaudierten, viele Kinder machten mich nach. Eine Oma begleitete mich mal kilometerlang mit ihrem Fahrrad, belies es aber beim Vorwärtsfahren. Insgesamt waren die Reaktionen aber verhalten.

Der Wettkampf:
Vor dem Startschuss standen fast 500 Männer und Frauen mit dem Bauch zur Startlinie standen und einer mit dem Rücken. Als der Startschuss fiel, drehte ich auf den ersten Hunderten Meter meinen Kopf um, um nicht hinzufallen. Als sich das Feld ein wenig auseinander gezogen hatte, lotsten mich 2 Freunde, die hinter mir liefen und mich auf Gefahren vor mir hinwiesen.
Die ersten 5 Kilometer liefen sehr gut, was eine Zeit von 23:15 Minuten bestätigte. Und die Kamera, mit der ein Freund auf dem Rad als Beweis für das das Guinness Buch filmte, spielte gut mit - was sich aber nach 10 Kilometern leider ändern sollte. Kurz nach der Zwischenzeit von 47:06 Minuten öffnete der Himmel seine Schleusen und es kam zu einem Wolkenbruch, wie ich ihn bei keinem Wettkampf bisher erlebt habe. Glück und Unglück war die 2. Wende nach 10,5 km. Der peitschende Wind kam nun wieder von hinten, so dass meine Sicht nicht eingeschränkt wurde. Nach etwa 2 Kilometern flaute der Wind Gott sei Dank ab und der Regen ließ nach. Während die Läufer also aufatmeten, gab die Kamera ihren Geist auf. Leider sind deswegen einige Kilometer nicht gefilmt worden.
Aufgrund des Sturms verlor ich ein paar Körner und ich wurde etwas langsamer. Nun wurde der Lauf mit jedem Kilometer härter und erst auf den letzten 5 Kilometern musste ich richtig anfangen zu kämpfen. 2 Kilometer waren nur noch im 5er Schritt und ich merkte, dass es mir immer schwerer fiel, das Gleichgewicht zu halten. Besonders in den Kurven musste ich mich nun sehr stark konzentrieren.
Unvergesslich wird der Zieleinlauf bleiben, bei dem ich meine Kräfte noch mal mobilisierte und überglücklich bei 1:40:26 über die Ziellinie lief. Weltrekord!!!

Was sagt das Guinness Buch?

Nun galt es, den Weltrekord den Verantwortlichen des Guinness Buchs zu beweisen. Die Richtlinien, die vom Guinness Buch für die Anerkennung eines Weltrekordes ausgeschrieben sind, füllen schon 7 Seiten. 2 unabhängige Zeugenbestätigungen, unabhängige Medienberichte, Photos, Videobeweis, Vermessungsprotokoll, Urkunde und alles musste ins Englische übersetzt werden. Nicht zu vergessen die deutschen Kopien, die von einem Notar beglaubigt werden mussten. Schließlich schickte ich nach wochenlanger Recherche 50 Seiten nach London - und hörte nichts.
Eine Woche verging, ein Monat verging, zwei Monate vergingen, nichts passierte. Schließlich rief ich beim Guinness Buch an.
Die Unterlagen seien nach New York geschickt worden, zu den Verantwortlichen der Rubrik Sport. Ein Tag später kam die Email:
Der Weltrekord ist angenommen worden!! Riesengroße Freude. Eine Woche später kam die Urkunde an!

Links:
http://community.guinnessworldrecords.com/_April-Sports-Blog/blog/2321083/7691.html

http://www.leichtathletik.de/index.php?NavID=1&SiteID=28&NewsID=25537&IsArchive=1

http://www.echo-muenster.de/node/57925

http://www.wdr5.de/fileadmin/user_upload/Sendungen/Lebensart/2010/01/Manuskripte/ms100107Rueckwarrtslaeufer.pdf

Hier einige Fotos:


Christoph und mein Trainer Michi (vorwärts) links neben mir (rückwärts) nach 2 km.


Nach 4 km laufe ich immer noch rückwärts.


Nach 12 km kam das Unwetter!



Und nach 21,1km der Zieleinlauf!