Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen im Halbmarathon in 1:35:49 h
   
  Achim-Aretz
  ... RTL Backwards Challange Mallorca
 

Die Backwards Challenge beim TUI Mallorca Marathon am 16. Oktober 2011:

Im Rahmen des Mallorca Marathons bin ich jeweils 10 km rückwärts mit Rück- und Treppenläufer Thomas Dold gegen die vorwärts laufenden Jürgen Milski aus der ersten Big Brother Staffel und Sängerin Indira Weis gelaufen. Diese Staffel war Teil des RTL- Spendenmarathons, bei dem 15.000 Euro an hilfsbedürftige Kinder zusammengekommen sind.

Am Tag vor dem Rennen fand – draußen im Sonnenschein und mit Meerblick - ein Pressefrühstück statt, an dem von den Staffelteilnehmern Jürgen Milski, Thomas Dold und ich teilnahmen. Jürgen erklärte, dass er sich überhaupt nicht vorstellen könnte, dass Rückwärtsläufer schneller laufen könnten als Vorwärtsläufer, aber stapelte damit tief, dass er sich auf den nordrhein-westfälischen Ascheplätzen in seiner Jugend seine Sehnen kaputtgemacht hätte.;) Der sympathische Thomas Dold sagte, dass Treppenlaufen sein Steckenpferd sei und ich durfte zum glaube ich 352. Mal erzählen, wie ich zum Rückwärtslaufen kam. Die 4. Teilnehmerin Indira Weis wurde erst abends eingeflogen. Anschließend waren vor allem die österreichischen Journalisten an meiner Story interessiert. Noch nie wurden meine Waden so oft fotografiert.

      
       Auf der Marathonmesse mit einem Erdinger Alkoholfrei

Zu meinem Betreuerstab gehörten mit Christoph und Gregor zwei gute Freunde (geil, dass ihr mit ward!), mit denen ich abends an der Hotelbar zufällig Indira Weis traf. Sie hatte nach ihrer Karriere bei Brosis einige Triathlons gemacht und geht bis heute regelmäßig joggen. Sie glaubte mir zuerst nicht, dass ich einer der Rückwärtsläufer sein sollte. Da ich aber das mir vom Iren Garret Doherty geschenkte T-Shirt mit der Aufschrift „I support the Backward Runners“ anhatte, konnte ich sie überzeugen.

      
       v.l.: Gregor, Indira, Christoph und ich

Ich fragte sie ein bisschen über ihre Karriere als Sängerin und ihren Besuch im Dschungelcamp aus und sie mich, ob wir am nächsten Tag zu Beginn des Rennens zusammen los laufen könnten. Für die Bilder sei es besser, nebeneinander zu laufen, als wenn jeder Staffelteilnehmer im Feld mit fast 10.000 Teilnehmern einzeln liefe.


@ leichtathletik.tv
v.l.: ich, Indira, Ulrike von der Groeben, Jürgen, Micki Krause vor dem Start

Am nächsten Morgen sagte ich Indira vor dem Start, dass wir gemeinsam starten könnten, aber dass ich dann nach 3 bis 5 km schneller werden würde. Vor dem Startschuss stellten sich die Staffelteilnehmer in die erste Startreihe. Es tat mal gut, mit Thomas Dold auch mal einen anderen Rückwärtsläufer neben mir zu haben. Jürgen hatte sich viel vorgenommen und biss ins Startband. Er war heiß.

Zu Beginn des Rennens wurden Indira und ich natürlich nur überholt. Sie warnte mich vor zu nah aufgelaufenen Vorwärtsläufern, Gullideckeln und Unebenheiten auf der Straße. Bei anderen Wettkämpfen gleicht sich das Tempo der mich überholenden Vorwärtsläufer nach wenigen km meinem Tempo an. Hier geschah es nicht. Eine nicht enden wollende Wand an Läufern überholte uns und somit war für mich nicht daran zu denken, schneller zu werden. Es war einfach zu voll. Nach der Hälfte des Rennens sagte ich Indira, dass ich bis zum Ende des Rennens bei ihr bleiben würde. Das Tempo war mit 5:30 min/km wirklich nicht allzu schnell. Im Training bin ich ein paar Tage davor noch 50 min über 10 km gelaufen. Es blieb somit Zeit und Luft, sich mit einigen Läufern zu unterhalten. Selbst dieses Tempo erzeugte bei einigen spanischen Läufern noch einen nach oben gehaltenen Daumen oder ein „bravo“.


@ leichtathletik.tv
Indira und ich bei km 7

Ich genoss den strahlend blauen Himmel, die sommerlichen Temperaturen, die von Palmen gesäumten Straßen und den Blick aufs Meer. Und so oft läuft man eben auch nicht vor einer Läuferin her, die schon mal auf der Titelseite des Playboy war. Indira war mit einer Erkältung ins Rennen gegangen und nach der Hälfte des Rennens schlug sie immer stärker durch. Ich machte ihr nun Mut, durchzulaufen. Die Sonne strahlte nun immer stärker und machte ihr deutlich zu schaffen.

Nach etwa 60 min überquerten wir die Ziellinie. Ich war sehr überrascht, dass Jürgen Milski mit 51 min Laufzeit 3 min eher im Ziel war als Thomas Dold. Schließlich hatte der noch im Mai dieses Jahres mit 40:58 min auf 10 km einen zwischenzeitlichen Weltrekord aufgestellt ist beim Köln-Marathon in der vorigen Woche eine 1:13 h auf dem Halbmarathon gelaufen - natürlich vorwärts. Jürgen sollte also recht behalten. Nun ja, ich wusste halt nicht, wie voll es auf der Strecke werden würde. Aber mit Indira wars ja auch nett. Die Hauptsache war sicherlich der gute Zweck, der Spaß und die Kinder, denen das Spendengeld zu Gute kommt.

Abends kam dann noch ein großes Highlight: die Marathonparty! Dort legte unter anderem Micki Krause auf, der den Halbmarathon gelaufen ist und mit 1:31 h eine neue persönliche Bestzeit aufstellte. Er sagte mir mehrmals: „Du darfst nicht trinken, ihr habt verloren“. Daraufhin fragte ich ihn, ob er an einem Rennen interessiert sei, bei dem ich rückwärts gegen ihn im Halbmarathon antreten würde. Er fand die Idee interessant. Mal schauen, was sich ergibt.

      
       Micki Krause nach einer 1:31 h und einem Auftritt

Auch wenn sportlich gesehen meine 10 km-Zeit auf Mallorca eher der Leistung eines Trainingslaufs entsprach, die Einladung nach Mallorca allein war für mich ein Grund zur Freude. Ich habe an diesem Wochenende sehr viele nette, interessante Menschen kennen gelernt und bin sehr dankbar dafür. Als sich vor 5 Jahren mein Kumpel Gunnar beim Joggen umdrehte und rückwärts lief, hätte ich nie gedacht, was sich daraus entwickeln würde. Daran musste ich auch in Mallorca denken. Für mich ist es die Bestätigung, dass man sich trauen sollte, Neues auszuprobieren und den Horizont zu erweitern. Man weiß halt nicht, was passiert, wenn man einen Stein umstößt. Es kann völlig unbemerkt bleiben, aber es kann auch zu einem Dominoeffekt kommen. Wenn Ihr eine Weltreise machen wollt, macht sie! Und wenn Ihr immer schon mal Musik in der Fußgängerzone spielen wolltest, tuts einfach! Den Mutigen gehört die Welt!


Ein Video gibt es unter:
http://www.leichtathletik.tv/v/mallorca-marathon-2011.