Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen im Halbmarathon in 1:35:49 h
   
  Achim-Aretz
  ... Tegernseelauf
 
Der Tegernseelauf am 19. September 2010:

"Der Tegernseelauf ist einer der landschaftlich schönsten Volksläufe in Deutschland und gehört mit über 4000 Teilnehmern zu den vier größten in Bayern." Als ich diese Worte des Veranstalters vor einigen Monaten hörte, konnte ich die Einladung zu dieser Großveranstaltung in der Nähe der österreichischen Grenze nicht ablehnen. "Sie müssen unbedingt schon ein paar Tage vor dem Lauf kommen, um ganz in die Einzigartigkeit der Natur eintauchen zu können", sagte mir vor wenigen Wochen eine Journalistin am Telefon. Schließlich einigte ich mich mit mir darauf, am Tag vor dem Wettkampf um 6 Uhr in der Früh einen Zug von Münster zu buchen, um wenigstens den Nachmittag am Tegernsee vebringen zu können.

Nachdem ich schließlich bis 11 Uhr im Zug geschlafen hatte, weckte mich mein Handy. Mein in München lebender Cousin war dran und sagte, er hätte im Radio gehört, dass ich beim Tegernseelauf starten würde. Wir verabredeten uns für den Abend in München. Dort angekommen, war ich überrascht, dass viele Münchener immer so rumlaufen, als wäre gerade das Oktoberfest. Später fand ich raus, dass wirklich das Oktoberfest war. Als ich am späten Abend am Tegernsee ankam, war es schon dunkel und vom Panorama leider nichts mehr zu sehen.

Als ich am nächsten Morgen im Startbereich ankam, wartete schon das Bayerische Fernsehen. Ich war froh darüber, dass ich vor der Kamera kurze Strecken rückwärts laufen sollte. Sonst hätte ich keine Zeit gehabt, mich warm zu machen. Unter anderem die FAZ und der Veranstalter baten mich zusammen mit Sven Fischer, der Biathlonlegende, um Interview und Foto. 

Anschließend stellte ich mich sehr weit nach vorne ins Starterfeld. Das war eine gute Entscheidung. Kurz nach dem Startschuss hatte ich auch dank einer breiten Straße freie Sicht nach hinten. Auch die Fahrradbegleitung, die nach einem Kilometer auf mich wartete, hatte genügend Platz. Die ersten Kilometer ging ich relativ schnell in einem Tempo von 4:20 min/km an. Immer wieder richtete ich meinen Blick nach links und genoss die tolle Berglandschaft und den in der Sonne blau-weiß glitzernden See. 

                             
Nach etwa fünf Kilometern kam der erste längere Anstieg, der für mich aber noch keine Anstrengung bedeutete. Anschließend nahm ich das Tempo etwas raus, da ich wusste, dass die Strecke auf der zweiten Hälfte hügeliger wird. Die Zuschauer an der Strecke feuerten die Läufer lautstark an. Die Ausrufe "Da ist er!" und "Wegen dir bin ich hier!" hörte ich immer wieder. Unwissende Zuschauer lasen
die vorne auf dem Fahrrad angebrachte Aufschrift "Weltrekordversuch im Rückwärtslaufen" und feuerten dann an.   

Nach 10 km war ich mit einer Zwischenzeit von 45:30 min gut im Soll. Bis dahin wurde ich aufgrund meiner vorderen Startposition nur überholt. Bei Blickkontakt feuerte ich machmal die Vorwärtsläufer ein bisschen an, und sie mich auch. Plötzlich änderte sich der Untergrund zu einem Schotterbelag. Außerdem wurden die Bedigungen durch eine geringere Wegesbreite und 90°-Kurven erschwert. Ich merkte, dass mein Kopf weicher und meine Beine schwerer wurden. Würde ich das Tempo unter diesen Bedingungen halten können? Auf den folgenden Kilometern wechselten sich Asphalt- und Schotterpassagen immer wieder ab. Ich traute mich stets nicht, die Fahrradbegleitung zu fragen, ob es der letzte Schotter gewesen sei, aus Furcht vor einer Verneinung.

                               

Nach 15 km ging es Gott sei Dank wieder dauerhaft auf Asphalt weiter. Die Zwischenzeit von 1:09:00 Minuten verriet, dass ich auch noch gut im Soll war. Dann jedoch drehte ich mich um und sah einen langen Anstieg, ohne ein Ende erkennen zu können. Das gute beim Rückwärtslaufen ist, dass man die Strecke nicht sieht, die vor einem liegt. Dies beherzigte ich und drehte mich einfach nicht mehr um. Als ich dann schließlich doch schwach wurde, und mich umdrehte, sah ich leider immer noch kein Ende des Anstieges. Nun musste ich richtig anfangen zu kämpfen. Den Ausblick auf dem Gipfel konnte ich nicht mehr genießen.

Ziemlich schnell ging es wieder runter auf Seehöhe; noch 4 km. Der Berg hatte mir viel Kraft gekostet, aber mein Zeitpolster war noch groß genug. Und dann, oh nein! Ein erneuter ein Kilometer langer Anstieg. Das war mit Abstand mein langsamster Kilometer. Ich wusste, dass das Rennen bald vorbei ist, doch ich dachte, die Schmerzen hören nie mehr auf. Auf der Strecke bergab gab ich noch mal alles und hörte die Zuschauermassen des Zielbereiches. Die Gefühle des Zieleinlaufs waren überwältigend. Nach 1:37:36,3 h erreichte ich das Ziel als 249. von 2100 Läufern völlig erschöpft aber glücklich. Damit unterbot ich die alte Bestzeit um 2:50 min.



Anschließend folgten die Interviews und Fotos, die zu einem Weltrekord dazugehören. "Was machen Sie heute noch?" war eine der vielen Fragen. Na was wohl. Am Nachmittag ging ich mit meinem Cousin für eine Maß aufs Oktoberfest, bevor es mit dem Zug wieder heimwärts ging.

Video:
(Zieleinlauf)
http://www.youtube.com/watch?v=NGzIpAczhB0

Links:

http://www.faz.net/s/RubF3CE08B362D244869BE7984590CB6AC1/
Doc~EED8E2ACB117A42C6822A8CC89331207C~ATpl~Ecommon~Scontent.html


http://www.br-online.de/bayern2/regionalzeit-suedbayern/regionalzeit-suedbayern-rueckwaertslaeufer-ID1284713463874.xml


http://www.achim-achilles.de/multimedialeiste/15919-neuer-weltrekord-im-rueckwaertslaufen.html

http://www.tegernseelauf.de/index.php?option=com_content&view=article&id=40:weltrekord-und-kenianischer-dreifach-triumph-beim-tegernseelauf&catid=1:allenews

http://echo-muenster.de/node/25372