Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen im Halbmarathon in 1:35:49 h und im Marathon in 3:42:41 h
   
  Achim-Aretz
  Der Weltrekord über 10 km
 

Ein ganz großes Highlight!

Am 10. Juni 2011 hab ich den Weltrekord über 10 km im Retrorunning beim Oelder Sparkassen Citylauf im Frauen-Elitefeld um 56 s auf 40:02 min verbessert.  Es war ein tolles Rennen, das ich nie mehr vergessen werde.

Jedoch hatte ich vor dem Start um 20:45 Uhr die Befürchtung, das Rennen absagen zu müssen. Um früh genug in Oelde zu sein, fuhr ich mit meinem Begleitläufer Marc-Andre Ocklenburg und seiner Freundin gegen 17:30 Uhr in Essen mit dem Auto los. Anstatt der vom Navi ausgerechneten Fahrtzeit von einer Stunde brauchten wir aufgrund eines km-langen Staus auf der A2 ganze drei Stunden. Als wir innerhalb einer Stunde nicht mehr als 2 km voran kamen, hätte ich die vor uns stehenden Autos allesamt aufessen können.    

Als wir es doch noch rechtzeitig schafften, war die Erleichterung so groß, dass ich jegliche Nervosität vor dem Rennen verlor. Ich traf den Iren Garret Doherty, der auch rückwärts im Elitelauf startete und noch eine längere Anreise als ich hatte. Während wir uns einliefen, erklärte ich Marc, wie man einen Rückwärtsläufer am besten begleitet. Kurz vor dem Start gab es noch ein Interview mit dem Sportmoderator Wolf-Dieter Poschmann.



@ Michael Holtkötter
     
Auf einmal war ich völlig aufgedreht. Ich sah viele Freunde, die zum Anfeuern gekommen waren, und etliche Mitglieder meines Vereins LSF Münster zum ersten Mal seit langer Zeit. Während ich mich mit Freunden hinter der Absperrung verquatschte, hörte ich auf einmal schon den Count Down. Ich rannte zur Startlinie und dann fiel auch schon der Startschuss.


@ Michael Holtkötter
    
Adrenalin schoss durch meinen Körper, als die Elitefrauen davonjagten. Als ich sah, wie mich meine Freunde am Streckenrand anfeuerten, kannte ich kein Halten mehr. Ohne eine Anstrengung zu fühlen, lief ich in sehr hohem Tempo den Elitefrauen hinterher. Als ich nach der ersten von 14 Runden durch den Start- und Zielbereich lief, war der Moderator Wolf-Dieter Poschmann sichtlich überrascht : „Und da kommt ja schon der Rückwärtsläufer!“  Den ersten km lief ich in 3:45 min.

Die Hinfahrt und das monatelange Training, beides auf ihre Weise schweißtreibend, waren vergessen. Schon wieder feuerten mich meine Freunde an, und schon wieder rannte ich durch den Zielbereich mit Hunderten von Zuschauern. Es war ein einziger Endorphinrausch. Die nächsten km waren immer noch unter 4 min-Schnitt.

Ich war auf den ersten 3 km schneller als auf dem Platz im Intervalltraining. Zwar merkte ich nun die Anstrengung schon, aber ich ließ ihr keinen Platz. Zu überwältigend war das Ereignis. Spielerisch und von Marc super geführt lief ich die 90°-Kurve nach links, wo meine Freunde standen, über die lange Gerade, vorbei an der Frau, deren Klatschen mit jeder Runde lauter wurde, über das Kopfsteinpflaster in der 180°-Kurve, und wieder durch den Zielbereich, wo Poschi mit einem neuen Spruch auf mich wartete: „Das ist nicht Welt- das ist Universumrekord!“


@ Michael Holtkötter

Nach 5 km konnte ich meinen Ohren nicht trauen, als Marc mir die Zeit von 19:38 min durchgab. Somit war ich nur 7 s langsamer als die Weltrekordzeit über 5 km. Dass ich nun Weltrekord über 10 km laufen würde, war klar, das neue Ziel war nun eine Zeit von unter 40 min. Marc feuerte mich nun mehr und mehr an.

Immer wieder wurde ich nun von Elitefrauen überholt. Aus Angst vor einem Sturz und Respekt vor ihren Leistungen machte ich für sie Platz. Dabei stolperte ich fast über eine kleine Straßenerhöhung, doch Gott sei Dank konnte ich das Gleichgewicht halten. Ich war beeindruckt von der Geschwindigkeit der Frauen. Dabei wurde mir auch immer wieder gezeigt, dass die Zuschauer beeindruckt von meinem Tempo waren. Jan Fitschen war einer von ihnen: „Komm, Achim, das sieht super aus!“



@ Michael Holtkötter       

Mit jeder weiteren Runde wurde das Rennen nun aber anstrengender und die km-Zeiten rutschten langsam aber sicher über die 4 min-Marke.  Ich tat mich immer schwerer damit, die Geschwindigkeit, die ich vor den Kurven rausnehmen musste, danach wieder zu erhöhen. Wenn Marc mich nicht ständig weiter angefeuert hätte, wäre es noch härter geworden.

Nun zählte ich die Anzahl der Runden zurück. Wie gerne wäre ich nun eine Runde lockerer gelaufen, um voll und ganz die Stimmung genießen zu können? Aber dann wäre das neu geschaffene Ziel außer Reichweite gerückt. 3 km vor Schluss waren wir super in der Zeit, aber die Kräfte schwanden immer mehr. Nun begann der Kampf.

Es dauerte nicht lange, bis sich die Signale des Körpers auch auf die Runden-Zeiten auswirkten, die sich nun um ein ganzes Stück erhöhten. Auftrieb gab mir noch mal die Zwischenzeit bei 9 km von 35:48 min. Nun würde mir also eine 4:11 min auf dem letzten km reichen, als ich den Iren überrundete.
 

@ Michael Holtkötter

Ich gab noch mal alles und nahm die Partystimmung meiner Freunde auf die letzte Runde mit. Leider konnte ich am Schluss keinen Zielsprint mehr machen, weil der Zielkorredor sehr eng war. Um nicht zu stürzen, nahm ich das Tempo raus und lief in 40:02 min glücklich über die Ziellinie.

        

@ Michael Holtkötter

Das Rennen war grandios. Es war das tollste Sportereignis für mich, das mit einem Weltrekord gekrönt worden ist. Aber der weitere Abend nach dem Rennen war noch schöner. Zuerst war es toll, die ganzen Vereinskameraden des LSF Münster wiederzusehen.


@ Michael Holtkötter  
 
      
Das Interview mit Poschi auf der Bühne mitsamt dem angekündigten Petkovic-Dance war einmalig. Aber am schönsten war die Kneipentour in Essen mit den Freunden, die erst in den Morgenstunden endete.


@ Michael Holtkötter