Weltrekordhalter im Rückwärtslaufen im Halbmarathon in 1:35:49 h
   
  Achim-Aretz
  Der Weltrekord im Halbmarathon
 
Einer Cola und der Radbegleitung sei Dank!

Beim Hochwald Mittelrhein-Marathon in Koblenz am 28. Mai 2011 habe ich die Weltbestzeit im Halbmarathon im Retrorunning um 41 s auf 1:35:49 h verbessert.

Am Tag vor dem Rennen erhielt ich auf der Fahrt zum Hotel in Koblenz einen Anruf von einem Freund. "Hey, ich war gestern auf deiner Seite und da hab ich gesehen, dass du morgen in Koblenz startest." Eric, der mich beim Frankfurt-Marathon auf dem Fahrrad begleitet hatte, und ich verabredeten uns für den nächsten Tag auf der Marathonmesse.

Dort erlaubte der Veranstalter, dass Eric mich offiziell die ganze Strecke auf dem Rad begleiten dürfte. Was beim Frankfurt-Marathon super geklappt hatte, sollte nun also eine Fortsetzung erfahren. Im Training ist es schon manchmal schwierig, lange Strecke ohne Helfer zu laufen. In einem Wettkampf ist es aufgrund einer erhöhten Sturzgefahr, die inmitten von Vorwärtsläufern lauert, sehr riskant.

Auf der Marathonmesse hatte auch die Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe, für die ich als Botschafter fungiere, einen Stand aufgebaut. Es ist ein Luxus gesund zu sein und ein Leben mit Leukämie für einen gesunden Menschen nur schwer vorstellbar. Ich finde es super, dass die Stiftung auf die Krankheit aufmerksam macht, sich für Betroffene einsetzt  und Spendengelder für sie einholt. Ein paar Fotos werden bald auf der Webseite der Stiftung zu sehen sein.


Michael Söntgen und ich vor dem DLH-Stiftungsstand

Danach ging es mit einem Sonderzug von Koblenz nach Boppard, wo der Start des Halbmarathons erfolgte. Auf der Fahrt fühlte ich mich irgendwie schlapp. Hatte ich zu wenig Wasser zu mir genommen oder war vielleicht ein Vitaminmangel der Grund? In Boppard lagen hunderte Läufer am Rheinufer und warteten auf den Start des Marathons und Halbmarathons.

Beim Einlaufen bestätigte sich mein Eindruck aus dem Zug. Die Schritte waren schwer und ich kam nicht so richtig in Schwung. Eric und ich verabredeten, dass er die Begleitung bei km 3 übernehmen würde, wo ich 13:30 min nach dem Startschuss zu sein vorhatte. Meine angestrebtes Tempo betrug ja 4:30 min/km. Nachdem der Start für die Marathonis erfolgte, ging es ganz schnell. Die Halbmarathonis stellten sich vor die Startlinie und ich wurde für ein Interview an die Startlinie gerufen. Anschließend durfte ich 1:30 min vor dem Feld starten.

Als ich loslief, sah ich die stehende Läuferschar vor mir und die Zuschauer am Streckenrand neben mir. Beflügelt von den Zurufen legte ich ein sehr schnelles Anfangstempo vor, das allerdings durch die letzten Marathonläufer, die ich umkurven musste, wieder abgebremst wurde. Nach etwa einem km teilten sich dann die Strecken, so dass ich auf einmal ganz alleine vorne lief. Nun lief ich da also auf der breiten abgesperrten Hauptstraße - links von mir der Rhein, rechts die Weinberge und vor mir die immer näher rückende Spitzengruppe der Halbmarathonis.

Plötzlich eintretender starker Durst ließ mich bereits nach einem km nach einem Getränkestand greifen, der eigentlich für die Marathonläufer vorgesehen war. Die Helfer wunderten sich bestimmt, als ich mir auch noch einen Becher über den Kopf schüttete.

Als ich Eric beim km 3 erreichte, zeigte meine Uhr 12:35 min. Ich war also fast eine min zu schnell. Auf den folgenden 2 km merkte ich dann schon deutlich die Anstrengung. Obwohl die Temperaturen nicht mehr so hoch waren wie in den vergangenen Tagen und Wochen, hatte ich mit der anfänglichen Wärme in der Sonne zu kämpfen. Die Zwischenzeit nach 5 km von 21:30 min war gut, aber konnte nicht über meinen körperlichen Zustand hinwegtäuschen. Ich musste schon kämpfen. Vielleicht würden die nächsten km ja lockerer werden.



Aber sie wurden noch härter. Der nächste km war in 4:38 min und ich hatte noch nicht mal ein Drittel des Rennens geschafft. Immer mehr Vorwärtsläufer überholten uns. Die anfänglichen längeren Unterhaltungen mit ihnen entwickelten sich nun zu kurzen Halbsätzen und Wortfetzen. Auch die Unterstützung vom Streckenrand konnte mich nicht mehr so pushen wie am Anfang. Die nächsten km in 4:40, 4:40 und 4:45 min ließen nichts Gutes ahnen.

Nach 10 km war ich dann schon platt. Die Zwischenzeit von 44:50 min war nur noch dem schnellen Anfangstempo geschuldet. Und die Hälfte des Rennen lag ja noch vor mir. Doch dann kam die Rettung! Bei km 11 nahm ich eine Cola anstatt eines Wassers zu mir und merkte, wie die Energie schlagartig in meinen Körper zurückkehrte. Auf einmal konnte ich wieder zulegen und das Tempo auf 4:30 min/km-Schnitt erhöhen. Außerdem spendeten nun die Bäume am Straßenrand Schatten, so dass es merklich kühler wurde.

Auf den nächsten Kilometern konnte ich das angestrebte Tempo halten und überholte einige Läufer, die mich vorher überholt hatten, wieder. Eric war ein super Begleiter, der mich vor jedem Gullideckel, jedem Läufer und jeder Verkehrsinsel warnte und die Getränkeversorgung glänzend regelte. Eine weitere Cola beim nächsten Getränkestand gab mir zusätzlich Kraft. Nun flogen die nächsten km an mir vorbei und ich konnte endlich die schöne Natur genießen, in der wir uns befanden.

Bei km 15 hab ich das Tempo dann noch mal angezogen, um die vor dem Rennen angepeilte Zeit von unter 1:35 h zu schaffen. Die Stimmung war jetzt super. Auf die Zurufe von den Zuschauern konnte ich nun wieder reagieren und mit Eric sprach ich darüber, in welchem Biergarten wir den Weltrekord würden feiern wollen. 

Als wir km 20 passierten, sah Eric schon das Ziel. Es war ein überwältigendes Gefühl, unter dem Beifall der Zuschauer im Zielbereich nach 1:35:49 h über die Ziellinie zu laufen. Anschließend folgten eine Menge Interviews und Fotos.



Auch viele Läufer kamen auf mich zu und hatten eine Menge Fragen. Es entwickelten sich lustige Gespräche, bei denen ich immer wieder klarstellte, dass es ohne Eric und die Colas heute nicht geklappt hätte.